Gottes gebilligte Gewalt
Studien über Studien, nach denen die Gewaltbereitschaft bei Computerspielen und Filmen steigt. Brad Bushman von der University of Michigan geht einen Schritt weiter. Zusammen mit amerikanischen und niederländischen Kollegen («Psychol Sci», Bd. 18, S. 204) gaben sie 500 Studenten und Studentinnen blutrünstige Geschichten zum lesen. Das Buch »Richter«, welches selbst bibelfesten Gläubigen nicht so bekannt ist.
»Darin übernachtet ein Mann vom israelitischen Stamm Efraim mit seiner Nebenfrau in einer Stadt der Benjaminiter, einem anderen israelitischen Stamm. Einige üble Männer aus dieser Stadt schlagen und vergewaltigen die Frau die ganze Nacht und lassen sie am Morgen tot auf der Türschwelle liegen. Aus Rache ziehen die anderen israelitischen Stämme gegen die Benjaminiter in den Kampf und rotten sie nahezu aus.«
Nachdem jede Versuchsperson eine Variante dieser Gräuelgeschichte gelesen hatte, folgte der Aggressivitätstest. Die Versuchsperson konnte entscheiden, wie laut der Lärm sein sollte, mit dem ein anderer Teilnehmer über Kopfhörer bestraft wurde, wenn er bei einer bestimmten Aufgabe versagte.
In den USA waren fast alle Teilnehmer Christen, die meisten gehörten zu den besonders frommen Mormonen. Wurde ihnen gesagt, dass die Geschichte aus der Bibel stammte, reagierten sie aggressiver als wenn sie angeblich in einer antiken Schriftrolle überliefert worden war. Tendenziell grösser war die Gewaltbereitschaft auch, wenn die Studenten eine Version lasen, in der Gott den Waffengang anordnete.Männer brutaler als Frauen
In Holland war nur die Hälfte der Studenten religiös. Unter diesen Gläubigen verdoppelte Gottes Segen die Aggressivität. Selbst bei den Atheisten liess er sie noch leicht ansteigen. War von göttlichem Eingreifen nicht die Rede, lagen die Gläubigen und der Rest gleich niedrig. In sämtlichen Studien quälten die Männer ihre Opfer mehr als die Frauen.
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