Rainer Stephan hat in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel veröffentlicht, mit dem Titel „Warum wir doch eine Religion brauchen“,
Lob des Glaubens
In einer nun recht ausführlichen Argumentation erfahren wir, warum es Sinn macht, zu Glauben.
Das verlangt förmlich nach einer Gegendarstellung, da die Werte menschlichen Dasein an den Glauben gebunden sind, und ansonsten in der Luft hängen, freischwebend so zu sagen.
(nach Herrn Stephan)
Unstrittig dürfte sein, dass die marxistische-leninistische Philosophie mit ihrer Interpretation und Reduktion auf die Wissenschaften und dem Klassencharakter derselben, die Frage der Werte recht parteilich definiert hat. Eines kann man dieser Philosophie jedenfalls nicht nach sagen, dass sie positivistisch gewesen sei oder ist. Das Dogma marxistisch-leninistischer Philosophie war, „Die Praxis ist das alleinige Kriterium der Wahrheit“. Dieser Satz wurde nie in Frage gestellt, theoretisch nicht und nicht in der Praxis, es war die offizielle Lesart dieser Philosophie.
Religion als Opium des Volkes, genau das aber Herr Stephan gelingt Ihnen nicht zu widerlegen.
Die Bindung von Werten an eine Religion ist nicht eine Erfindung der heutigen Zeit, sondern hat seinen Ursprung in der Antike. Aber genau da wurden Werte der menschlichen Gesellschaft auch religionsfrei determiniert und zwar in Form des Humanismus.
Humanismus ist Philosophie und Weltanschauung mit der Blickrichtung auf die Würde und die Werte des Menschen, sowie seiner Interessen.
Humanismus determiniert Gewaltfreiheit, Toleranz und die Freiheit des Gewissens im Zusammenleben der Menschen.
Insbesondere der säkulare Humanismus hat sich gerade zu den Fragen der Ethik geäußert, unabhängig von den Religionen.
Unstrittig ist, das es Humanismus in den Religionen gibt. Hier wurden die Glaubensvorstellungen und religiösen Traditionen durch Fragmente des Humanismus ergänzt. Wenn wir wirklich geistig frei sein wollen, müssen wir uns von den Denkarten, den Vorstellungen des Glaubens und der Religion lösen. Ich empfehle für alle die es interessiert den Film von Richard Dawkins „The Root of all Evil“, welcher im Februar diesen Jahres bei der BBC lief. Mit Sicherheit wird einem die Argumentation von Dawkins nicht immer gefallen, aber er hat Recht.
Die Götter der Menschen, sind eine Erfindung der Menschen, Sagen, Mythen als Grundlage. Immer dann wenn die Dummheit der Menschen am Grössten war, geschahen die meisten Wunder.
Zeus musste gehen, Thor und viele verschwanden, sind heute nur noch Gestalten in Romanen, Statuen aus antiker Vorzeit, der menschgewordene Gott, eine Fiktion. Wenn das, was Sie am Anfang Ihres Artikels feststellten, nämlich das Denken in der Religion und im Glauben Einzug halten würden, dann würden eine Reihe von Krankheiten, an der unsere Gesellschaft leidet, schlichtweg nicht existieren. Im Laufe von 2.000 Jahren ist der christliche Gott so verbogen worden, dass auch nichts mehr an seinen Ursprung erinnert. Was wurde und wird aus Glaubensgründen nicht alles getan und die sogenannten westlichen Werte, sind nicht besser oder schlechter als die Werte anderer Kulturen.