Mittwoch, 15. August 2007

Der Schoß ist fruchtbar noch...

(BBC NEWS)Foto:news.bbc.co.uk

Die russischen Behörden untersuchen den Fall eines grauenvollen Videoclips. In den letzten Tagen wurde ein Video ins Internet eingestellt, welches die Ermordung von zwei jungen Männern darstellt. Einer wurde enthauptet, der andere wurde erschossen. Zwischenzeitlich hat sich ein Mann den Behörden gestellt, der in der Stadt Maikop (Süd-Russland) vernommen wurde. Der Stil der Ermordung erinnert an die Rechtsextremen. Die Gruppe, welche sich zur Tat bekennt, nennt sich selbst »Die Nationalsozialisten der Rus«.

Durch die russische Polizei wird zur Zeit die Echtheit des Videos überprüft. Der Verdächtige wird der rechten Szene zugeordnet, soll aber nicht für die Produktion des Clips verantwortlich sein. So die Aussagen eines Offiziellen aus dem russischen Innenministeriums.

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu gewaltätigen Angriffen, insbesondere gegen Ausländer. Die rechte Szene in Russland geht ebenso gegen homosexuelle Menschen und Gruppen vor. Diese Exekution, festgehalten auf einem Video, dürfte jedoch alles bisherige übertreffen.

Da man mit dem Untergang der Sowjetunion den Status einer »Weltmacht« verloren hatte, muss sich die russische Seele anderweitig Geltung verschaffen. Nationalismus ist in Russland weit verbreitet, schuld an der eigenen Misere sind Ausländer, ethnische Minderheiten, diese Argumentation kommt mir bekannt vor. Zumal die Regierung selbst, mittels militärischer Härte im Kaukasus agiert und dort ihren ethnischen und religiösen Kampf gegen die Feindes des russischen (Zaren)-Reiches führt. Makaber und erschütternd in diesem Fall ist die Tatsache, dass Russland im Krieg mit dem deutschen Nationalsozialismus 20 Millionen Opfer zu beklagen hatte.

Montag, 13. August 2007

Chinesische Paranoia - amerikanisches Kapital und Technik

In den nächsten Monaten werden in Südchina, 20.000 (oder mehr) Überwachungskameras für die Polizei installiert. Das Spionagesystem wurde eigens dafür entwickelt, automatisch Gesichter gesuchter oder verdächtigter Personen zu erkennen. Die Hardware wird von US-amerikanischer Software gesteuert. Die Einwohner der Stadt Shenzen (≈ 12 Millionen) müssen dann eine Chipkarte tragen, die von der selben US-Firma programmiert wurde. Zu den üblichen Daten wie Name und Adresse kommen noch folgende Angaben zur Person:

  1. Arbeitsstellen der Vergangenheit;
  2. Bildungs-Hintergrund;
  3. Religion
  4. ethnische Zugehörigkeit
  5. polizeiliche Einträge;
  6. Angaben zur Krankenkasse
  7. Telefonnummern von Hausbesitzern
Man möchte meinen Schäuble hat im Vorbereitungsstab mitgearbeitet. Shenzen, vielleicht das Versuchslabor für unsere westliche Demokratie?
New York Times

Samstag, 11. August 2007

Die Hölle auf Erden

Die Frankfurter Rundschau über die Rolle der Frauen in Pakistan. Der Artikel ist von Betsy Udink. Angesichts des zu lesenden Inhalts kann man wohl nicht von der Rolle der Frau in einer Gesellschaft reden, eher von »Tierhaltung«.

Die Frau ein Besitzobjekt, mit dem nach Gutdünken verfahren werden kann. Grundlage ist eine 1400 Jahre alte Rechtsordnung, die wahrlich männlich ist. Die islamistische Gesellschaft ein dumpfes, althergebrachtes Konstrukt, ohne Humanismus. Der Staat unternimmt nicht viel.

»Es geht auf das Ende der Monsunzeit zu. In der dunklen Frauenbaracke des Gefängnisses von Peshawar ist es feucht und drückend heiß. Auf dem Boden aus gestampfter Erde sitzt Gulnaz mit dem Rücken zu dem hohen Tor. Ihre Gesichtshaut ist aschgrau. Sie starrt auf den Kalk, der von den schmuddeligen Wänden blättert.

Gulnaz war noch ein Kind, als sie einem Schuster zur Frau gegeben wurde, einem Analphabeten wie sie selbst. Von den Kindern, die sie von ihm bekam, leben noch drei. Gulnaz hat die Jahre ihrer Ehe nicht gezählt, aber es waren viele, bis sie der Schuster eines Tages aus dem Haus warf. Dreimal rief er: "Ich verstoße dich!", und nach den Vorschriften des Islam war er damit von ihr geschieden. Sie durfte ihre Kinder nicht mehr sehen, und jedesmal, wenn sie es versuchte, jagte er sie weg, beschimpfte sie oder schlug sie zusammen.

Gulnaz bekam von ihrem zweiten Mann ein Kind, ein Mädchen. Plötzlich erschien der Schuster wieder auf der Bildfläche. Er beschuldigte sie der Zina, des Ehebruchs, und behauptete, er sei nie von ihr geschieden worden. Was für einen eindeutigeren Beweis für ihren Ehebruch gab es als das Kind, das sie geboren hatte? Der Schuster erhob Anklage, und Gulnaz wurde verhaftet. Sie wurde aufgrund der Hudud-Verordnungen ins Gefängnis gebracht, aufgrund von Dekreten, die auf 1400 Jahre alten Regeln des Koran basieren.«

Mittelalterliche Religiosität, festgeschrieben für die Ewigkeit, so scheint es. Im Dritten Jahrtausend ist die »Viehhaltung« von Frauen immer noch möglich. Und Pakistan ist da kein Einzelfall. Ich erinnere mich an die namenlosen Gräber in Jordanien. Getötete Frauen, die von ihren Ehemännern oder Brüdern umgebracht wurden, aus ähnlichen Gründen. Die Grabsteine ohne Inschrift, ohne Namen, diese Frauen sollen aus dem Gedächtnis ihrer Familien gelöscht werden. Die Frauen in den jordanischen Gefängnissen sind oftmals zu ihrem Schutz inhaftiert, damit sie nicht von ihren krankhaft-religiösen männlichen Verwandten, die zudem noch von sturer althergebrachter Tradition besessen sind, getötet werden.

Es ist erlaubt Parallelen zum Christentum zu ziehen und es ist kein Verdienst desselben, dass derartiges hier nicht mehr stattfinden kann.

Donnerstag, 9. August 2007

Sendboten der Apokalypse

apokalypse.jpg
Das Pentagon schickt die Boten der Apokalypse in den Irak, um Soldaten zu bekehren. Max Blumenthal von The Nation.com in einem Artikel von AlterNet.

Der Schauspieler Stephen Baldwin, jüngstes Familien-Mitglied der berühmten Baldwin-Familie stellt nicht mehr den Kumpel in Paul Shore´s kommödiantischen Meisterstück »Biodom« dar. Dieser Tage hat er ernsthaftere Dinge zu tun. Balwin wurde ein Evangelikaler, wieder geborener Christ nach den Terrorangriffen des 11. September. Heute ist er der Star der Operation Straight Up(OSU). OSU ist eine christlich-fundamentalische Unterhaltungstruppe, die aktiv Bekehrungen unter den Militärangehörigen der US-Streikräfte durchführen. Als ein offizieller Arm des Unterstützungs-Programms des amerikanischen Verteidigungsministeriums, plant OSU Kopien des Endzeit-Games Left Behind:Eternal Force an aktive, diensttuende Soldaten im Irak zu versenden. In naher Zukunft plant OSU Investitionen für das Projekt Military Crusade in Iraq.

»Wir fühlen die Macht des Himmels, die uns ermutigt hat, mehrfache Kreuzzüge durchzuführen, die durch diese Krieg-geschüttelte Region hindurchfegen werden.«
So erklärt es die Organisation auf ihrer WebSite. Wir werden genau den Kreuzzug abhalten, der zu einem so gefährlichen Land, wie dem Irak, passt.

Religiöse Aktivitäten in den Streitkräften der USA stellen einen eklatanten Verstoß gegen die Verfassung der USA dar.

Die ganze Geschichte religiöser Abartigkeiten bei AlterNet.

Dienstag, 7. August 2007

Die Christianisierung des Pentagon

Im Dezember 2006 wurde im VideoBlog von AlterNet ein Post mit dem Titel »Das Aroma von Jesus« vorgestellt. Es ging um den Einfluss evangelikaler Kräfte in den Streitkräften der USA, insbesondere ins Pentagon. Nun wurde die Fortsetzung der Story veröffentlicht, die erstaunliches zu Tage fördert. Hochrangige Militärs billigen die Christianisierung des Pentagons Nun liegt ein Bericht des Generalinspekteurs des Pentagons vor, aus dem ersichtlich ist, dass die evangelikale Vereinigung »Christian Embassy« schon eine quasi-Bundesbehörde darstellt. Offizieller Druck der Military Religious Freedom Foundation(MRFF) hat zu dieser Untersuchung geführt, deren Ergebnisse nun zugänglich sind.

Ein Werbevideo geistert in den letzten Monaten durch Washington.DC. Professionell gemacht, zeigt es den Einfluss evangelikaler Kreise in die amerikanische Armee hinein, oder besser gesagt, in die höheren Kommandoebenen. Generale und Offiziere, welche in dem Video als gute Christen dargestellt wurden, machen erstaunliche Karrieresprünge. Der Kommandant der Kadettenschule von West Point wurde am 16.07.2007 zum Sekretär der US-Armee ernannt, von wem? Natürlich von Präsident Bush. Ähnliche Wunder kann man nun bei General Vincent K. Brooks sehen. Brooks hatte übrigens eine wesentliche Rolle im Army-Märchen Jessica Lynch. Brooks wurde also befördert, hat jetzt 3 Sterne und ist Deputy Director im Krieg gegen den Terrorismus. Es lohnt sich also für amerikanische Offiziere mit religiös-fundamentalistischen Kreisen zusammen zu arbeiten. Christian Embassy scheint ja nun zumindestens ein Ohr des amerikanischen Präsidenten zu besetzen, das andere wird er für seine Zwiegespräche mit Gott brauchen.

Sonntag, 5. August 2007

Die Rettung einer Kirche und eines Renaissance-Gemäldes

Gott und Jesus basteln einen Sputnik. Könnte man jedenfalls meinen, wenn man sich das Bild anschaut. Das Gemälde befindet sich in der Kirche von San Pietro, in Montalcino, Italien. Gemalt wurde es von Bonaventura Salimbeni (1567-1630). Das Bild trägt den Titel »Die Verherrlichung des Abendmahls«.

Dabei sieht dieser Bildausschnitt aus wie der Umschlag von einem Science Fiction Roman. Da die Kirche Geld braucht, um nötige Restaurierungs-Arbeiten realisieren zu lassen, hat man jetzt 1.000 Exemplare des Gemäldes drucken lassen, und verkauft die Kopien für stolze 270$ das Stück. Das Geld soll in den Fonds für die Restaurierung fließen. Nach ja.

Die ganze Story hier

Freitag, 3. August 2007

»Gott« oder »Allah« ?

Was können wir unternehmen, um die Tradition unser Politiker zu ändern. Nämlich ihre drohende Frömmigkeit oder ihre religiösen Lippenbekenntnisse abzuschaffen. Es entstellt unsere öffentlichen Diskussionen und ich glaube einige Leute kommen sich blöd dabei vor. Vielleicht könnten wir die Politiker fragen, wenn sie das Wort »Gott« benutzen wollen, abwechselnd »Gott« oder »Allah« zu gebrauchen, (ganz so, wie zwischen er oder sie, in nicht-sexistischer Sprache, um niemanden zu verletzen), insbesondere die Muslime unter uns.

( Nach allem, sind Gott und Allah nicht zwei verschiedene Begriffe für ein und dasselbe Wesen?) Das dürfte einige Angewohnheiten zermalmen. Ich würde einer derjenigen sein, die amüsiert sind, wenn unsere frömmelnden, scheinheiligen Politiker fast daran ersticken, wenn sie Allah danken müssen, für all die Segnungen die er uns gewährt hat in den Vereinigten Staaten, oder wenn sie ihn anrufen, damit er sie bei ihren Vorhaben lenken werde. Wenn wir der Sprache unserer politischen Kandidaten mehr Aufmerksamkeit widmen, lassen sie vielleicht gänzlich von ihrer Rhetorik ab. Für Politiker gilt nichts wichtigeres, als die Tatsache möglicherweise durch eine praktikable Sprache eine Reihe von Wahlstimmen einzufangen.

Was ich von den politischen Kandidaten hören möchte, ist eine ernste und glaubwürdige Stimme, Gutes zu tun für die Wählerschaft, egal ob in der Stadt, im Bundesland oder für die Nation, unabhängig von ihrer oder der religiösen Zugehörigkeit der Wähler.

On Faith Daniel C. Dennett

Mittwoch, 1. August 2007

Was hat Darwin eigentlich herausgefunden?

von Thomas Waschke

Darwin hat nach langer Vorarbeit 1859 sein epochemachendes Buch unter dem Titel ‘The Origin of Species’ veröffentlicht. Damals war es üblich, eine Kurzfassung des Inhalts in einem (langen) Untertitel voranzustellen, daher standen noch folgende Zeilen auf dem Titel: ‘By Means of Natural Selection or the Preservation of Favoured Races in the Struggle For Life’.

Das Buch ist eins der besten Naturkunde-Bücher, die jemals geschrieben wurden. Es ist randvoll mit Fakten aus den verschiedensten Gebieten, die irgendwelche Thesen des Autors belegen können. Es ist auch heute noch uneingeschränkt lesenswert, weil die meisten darin geschilderten Befunde immer noch gültig sind.

Eins ist das Buch aber nicht: eine Erklärung, wie neue Arten entstanden sind. Das klingt auf den ersten Blick überraschend. Im folgenden soll deshalb versucht werden, den theoretischen Hintergrund dieses Werkes in einfachen Worten darzustellen und dann zu verdeutlichen, was ‘Darwinismus’ eigentlich ist. Man muss sich außerdem vor Augen halten, dass Darwin mehrere Theorien vertreten hat. Wir betrachten hier Evolution, verstanden als Abstammung (Deszendenztheorie) und den Mechanismus, wie diese Evolution abgelaufen ist (Selektionstheorie). In einem anderen Gedankensplitter und in meinem ‘Glaubensbekenntnis‘ habe ich diese Gedanken näher ausgeführt. Die Deszendenztheorie wurde sehr schnell innerhalb der Biologie anerkannt, schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren so gut wie alle Biologen in diesem Sinn Evolutionisten. Über die Mechanismen wurde (und wird!) immer noch heftig diskutiert. Dieser Teil von Darwins Vermächtnis, die Selektionstheorie, ist auch heute noch ein vorstellbarer Mechanismus unter anderen. In erweiterter und verfeinerter Form (Synthetische Theorie der Evolution) stellt die Selektionstheorie die heute ‘führende’ Evolutionstheorie dar.

Population ist eine Ansammlung von Lebewesen, die sich untereinander fortpflanzen. Das könnten beispielsweise alle Rehe in einem Wald sein oder alle Karpfen in einem Teich. Alle Tiere, die sich miteinander fortpflanzen können, werden in der Biologie zu einer Art zusammengefasst.

Darwins Selektionstheorie lässt sich schematisch wie folgt beschreiben: Darwin ging von folgenden (unstrittigen) Beobachtungen aus:

B1. Alle Lebewesen erzeugen mehr Nachkommen als überleben können.

Diese Beobachtung ist sehr gut gesichert. Wenn alle Nachkommen überleben würden, hätte so gut wie jede Tier- und Pflanzenart die Vermehrungspotenz, die Erde mit Organismen dieser Art zu übervölkern.

B2. Die Populationsgröße bleibt langfristig gesehen stabil

In stabilen Ökosystemen, die sich im Gleichgewicht befinden, findet man auch stabile Populationsgrößen. Das heißt, dass die Individuenzahlen einer Art in diesem Ökosystem innerhalb enger Grenzen gleich bleiben.

B3. Die Ressourcen sind beschränkt

Das dürfte eine Binsenweisheit sein.

B4. Innerhalb der Populationen gibt es eine Variationsbreite, jedes Individuum ist einzigartig

Das ist auf den ersten Blick nicht selbstverständlich. Man kann sich aber leicht von dieser Tatsache überzeugen, indem man von irgendeinem Baum ein paar Blätter pflückt. Es wird Ihnen nicht gelingen, zwei exakt gleiche zu finden. Bei diesem Beispiel handelt es sich zwar um Variation innerhalb der Organe eines Individuums, sie könnten aber genauso gut zwei beliebige Menschen (vielleicht eineiige Zwillinge ausgenommen) miteinander vergleichen.

Seit es empfindlichere molekularbiologische Verfahren gibt, konnte man diese Variation innerhalb der Arten auch durch Untersuchung von Proteinmustern belegen. Es war damals eine große Überraschung, dass man zeigen konnte, dass es hier sogenannte Polymorphismen gab. Das heißt, dass ein bestimmtes Eiweiß der Angehörigen einer Population nicht identisch war, sondern dass es durchaus verschiedene (funktionell meist gleichwertige) Varianten gab.

Inzwischen ist man sogar noch einen Schritt weiter und kann zeigen, dass diese Unterschiede eine genetische Basis haben. Das bedeutet, dass es in einer Population von Lebewesen eine große Zahl von Genen gibt, die dazu führen, dass sich die jeweiligen Träger in ihren Eigenschaften unterscheiden.

Unter folgender Voraussetzung

V1. Die Unterschiede zwischen den Organismen sind erblich

zog Darwin die folgenden Schlüsse , die zur damaligen Zeit nicht bewiesen werden konnten. Beachten Sie bitte, dass für die folgenden Betrachtungen nur erbliche Eigenschaften eine Rolle spielen.

S1. Die Individuen stehen in einem Konkurrenzkampf

Das folgt ganz einfach aus der Tatsache, dass nicht genügend Ressourcen vorhanden sind. Sobald dies der Fall ist, müssen die Lebewesen um diese ‘kämpfen’.

S2. Die am besten angepassten Organismen haben die meisten Nachkommen.

Wenn nun die Voraussetzung V1 zutrifft, folgt daraus,

S3.Über viele Generationen kommt es zu einer Veränderung der Arten

Das beruht auf der Überlegung, dass die erblichen Eigenschaften an die Nachkommen weitergegeben werden. Wenn nun von diesen bevorzugt diejenigen überleben, welche die ‘günstigeren’ Eigenschaften geerbt haben, werden diese in den folgenden Generationen angereichtert.

Dieses Gedankengebäude sieht auf den ersten Blick nicht besonders beeindruckend aus. In der damaligen Zeit schlug es aber wie eine Bombe ein, denn es wurde erstmals ein Mechanismus erkennbar, der eine Änderung der Arten erklären konnte! Zudem wurde auf diese Weise der Gottesbeweis durch die Ordnung in der Natur praktisch widerlegt: die wunderbaren Anpassungen waren in Darwins Weltbild kein Hinweis auf einen intelligenten Konstrukteur, sondern das Werk einer langandauernden Selektion.

Darwin machte das, für jedermann einsichtig, anhand von Tier- und Pflanzenzüchtung deutlich. Wenn der Züchter aus den Nachkommen eines Tieres immer nur die zur Fortpflanzung verwendet, die seinem Zuchtziel am nächsten kommen ( Selektion ) , gelingt es, innerhalb weniger Generationen, Organismen zu erhalten, die der Ausgangsform kaum noch gleichen.

Darwin hat das sehr ausführlich am Beispiel der Taubenzucht deutlich gemacht. Vermutlich wird ihnen das Beispiel der Hundezüchtung vertrauter sein. Alle Hunderassen, die man bis heute gezüchtet hat, stammen vom Wolf ab. Durch künstliche Zuchtwahl ( Selektion ) konnten die Züchter eine große Zahl von Hunderassen erhalten, indem sie aus den Jungen, die geboren wurden, für die Zucht immer nur diejenigen verwandten, welche dem gewünschten Typ am nächsten kamen. Darwin postulierte nun, dass das in der Natur auch ganz ohne den Einfluss des Menschen vonstatten gehen könnte ( natural selection ). Das folgt zwingend aus S2. Wenn der Selektionsdruck sich nicht ändert, werden sich die Lebewesen im Laufe der Zeit so entwickeln, dass sie sich optimal an diesen anpassen.

Vielleicht in diesem Zusammenhang ein Bemerkung: es gibt in diesem Zusammenhang keine optimale Anpassung an sich. Sie ist immer relativ zum Selektionsdruck ! Ändert sich der Selektionsdruck, so kann es sein, dass die bisher bevorzugte Form plötzlich benachteiligt ist.

Stellen Sie sich beispielsweise vor, dass es einige sehr strenge Winter hintereinander gibt. Dann würden bevorzugt die Tiere überleben, die diese kalten Winter besser überstehen. Wenn sich das Klima aber wieder ändert, ist genau diese Eigenschaft möglicherweise nachteilig. Außerdem kann die Selektion natürlich nur an bestehenden Strukturen ansetzen. Angenommen, es gibt in einer Population einfach keine erblichen Strukturen, die die benötigte Anpassung ermöglichen, dann kann die Selektion nicht wirken. Üblicherweise sterben diese Lebewesen dann einfach aus. Neue erbliche Eigenschaften gelangen durch Mutationen in die Populationen. Darwin hat diesen Punkt in seinem Werk nicht näher betrachtet, weil die Genetik noch nicht erforscht war. Niemand wusste damals, wie es überhaupt möglich ist, dass Eigenschaften vererbt werden. Darwin spekulierte zwar, im Rahmen des damaligen Kenntnisstands über ‘Gemmulae’, aber diese Theorie ist inzwischen definitiv widerlegt. Man ging damals davon aus, dass sich diese Gemmulae in allen Teilen des Körpers befänden und dann irgendwie in die Keimzellen gelangten und so vererbt würden.

Man kann Darwins Selektionstheorie so zusammenfassen:

In einer Population von Lebewesen gibt es erbliche Unterschiede. Je nach Selektionsdruck kommen bevorzugt die Lebewesen zur Fortpflanzung, die Eigenschaften aufweisen, welche Anpassungen an diesen Selektionsdruck darstellen. Im Lauf der Generationen wandeln sich daher die Lebewesen. Darwin hat demnach eigentlich nur erklärt, wie aus vorhandenen Eigenschaften die günstigsten ausgelesen werden können. Er hat aber nicht dargestellt, wie Neues im Laufe der Zeit entsteht. Also beispielsweise, wie aus einem Fisch ein Amphib werden konnte. Streng genommen hat er keine Evolutionstheorie, sondern eine Selektionstheorie formuliert.

Selbstverständlich ist die heutige Evolutionsforschung wesentlich weiter. Die Entdeckung der Genetik hat Darwins Lehre auf eine solide Basis gestellt. Niemand zweifelt heute mehr daran, dass es möglich ist, innerhalb der Arten durch Mutation und Selektion Veränderungen zu erzielen ( Mikroevolution ). Mikroevolution läßt sich sowohl durch Züchtungsergebnisse als auch durch Naturbeobachtungen beweisen (z.B. Birkenspanner, Darwin-Finken). Selbst hartgesottene Kreationisten erkennen diese Tatsachen an.

Ob diese Mechanismen allerdings ausreichen, Weiterentwicklungen, die über die Artgrenze hinweggehen, also wirklich Neues schaffen ( Makroevolution ), ist eine heiß umstrittene Frage. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass bis heute noch keine Makroevolution beobachtet wurde, die Kreationisten überzeugt hätte. Selbst Evolutionisten sind sich hier, zumindest über die Mechanismen, nicht einig. Daraus versuchen die Kreationisten Nutzen zu ziehen, indem sie beispielsweise den Gradualismus gegen den Punktualismus auszuspielen versuchen. Das ist aber Unsinn, denn beide Theorien gehen davon aus, dass es keine übernatürlichen Eingriffe in den Lauf der Evolution gibt!

Montag, 30. Juli 2007

Hurra, die Tour ist vorbei - es lebe das freie Doping

Samstag, 28. Juli 2007

B16 feat. Sitd - Snuff Machinery









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Sehens-und Hörenswert. :))))
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Naturalismus - kein Dogma!

Wir haben die Lande gemessen, die Naturkräfte gewogen, die Mittel der Industrie berechnet, und siehe, wir haben herausgefunden, dass diese Erde groß genug ist, dass sie jedem hinlänglichem Raum bietet, die Hütte seines Glücks darauf zu bauen; dass diese Erde uns alle anständig ernähren kann, wenn wir alle arbeiten und nicht einer auf die Kosten des anderen leben will; und das wir nicht nötig haben, die ärmere Klasse an alle Himmel zu verweisen.

Heinrich Heine, Romantische Schule, 1835

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